Der Muffkopf – Neuer Sound gefällig?

Der Muffkopf – Neuer Sound gefällig?

Ein Artikel von: Emma Pfeifer, K1
Artikel-Art: Reportage


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Hast du schon mal vom Muffkopf gehört? Bestimmt, allerdings ohne es zu merken. Auf Platten von Simply Red und PUR, bei Konzerten von Alice Merton und Mark Forster und live im Fernsehen bei „Sing meinen Song“ sorgt dieses kleine, unscheinbare und strubbelige Schlagzeugutensil für einen ganz bestimmten gedämpften Sound, bei dem der tiefe Anteil des Bass-Drum-Klangs in den Vordergrund gestellt wird und sie somit insgesamt dumpfer und auch etwas leiser klingt. Daher kommt auch der Name des Muffkopfs – „to muffle“ bedeutet abdämpfen. Der Muffkopf gleicht einem kleinen Säckchen und besteht aus Teddyplüsch und langen schwarz-weißen Fasern. Seit 2015 hat der in Tübingen lebende Schlagzeuglehrer Thorsten Reeß bereits 1200 Muffköpfe verkauft. Das macht ca. 300 im Jahr, Tendenz steigend. Wie entstand aus einer anfänglichen Idee ein erfolgreiches Produkt?

„Als Schlagzeuger wollte ich in meiner Band bei ein paar Songs einen bestimmten Sound haben, der nicht so knallt, sondern gedämpfter und dunkel klingt“, so der Erfinder im Interview. Nach einigem Ausprobieren mit verschiedenen verfügbaren Gegenständen, wie zum Beispiel einem Babysocken oder einem Handschuh, kam Reeß schließlich auf die Idee, ein Säckchen einfach über den Schlägel der Bass-Drum zu stülpen. Das Säckchen ließ sich leicht anbringen und wieder entfernen, sodass man den Sound je nach Song verändern konnte. Schon seit ein paar Jahren versuchen ähnliche Produkte von führenden Herstellern ebenfalls diesen bestimmten Originalsound der 40er bis 70er Jahre abzubilden, jedoch mit dem Nachteil, dass mittels aufwendiger Montage und einem Spezialschlüssel der gesamte Schlägel der Bass-Drum ersetzt werden muss. Nachdem Reeß’ Schwester, eine passionierte Näherin, den Prototyp erstellt hatte, war der erste Muffkopf geboren. Dass er aus seiner Erfindung ein Serienprodukt machen wollte, war dem Erfinder ziemlich schnell klar. Anfangs, nachdem ein Onlineshop errichtet war und die ersten Bestellungen kamen, nähte seine Schwester die Muffköpfe selbst und Reeß kümmerte sich um Verpackung und Versand. Als die Bestellungen jedoch zunahmen und das Nähen in der Freizeit nicht mehr zu schaffen war, schaute sich Reeß nach einer Alternative um. Er wurde auf das mit einer Näherei ausgestattete Frauengefängnis in Schwäbisch Gmünd aufmerksam und schickte erste Proben und Nähanleitungen dorthin. Seither werden die Muffköpfe im Gefängnis genäht.

Die Besonderheit an der Firma Mr. Muff, unter der auch der Muffkopf verkauft wird, ist, dass, sie ein Einmannbetrieb ist. „Wenn ich nichts mache, passiert auch nichts“, so auch der Erfinder. Das spiegelt sich auch im großen Zeitaufwand wieder, den Reeß aufbringen musste. Er kümmere sich selbst um die PR, d.h. Werbung und Anzeigen in Sozialen Netzwerken und Fachzeitschriften, um den Vertrieb der Produkte und darum, dass Flyer und T-Shirts gedruckt werden. Außerdem designte er den Messestand selbst, der den Vintage-Sound des Muffkopfs wiederspiegelt und einem gemütlichen transportablen Wohnzimmer mit Retrotapete und original Opas Ohrensessel gleicht.  Dadurch sticht Reeß auf Musikmessen mit seinem Stand deutlich heraus.

Ein Muffkopf kostet knapp 30€. Der Preis wurde extra niedrig gehalten, da Schlagzeuger normalerweise schon für ihr Instrument eine hohe Rechnung zahlen müssen. Auf die Frage, ob es einen anfänglichen Wirtschaftsplan gegeben habe, antwortete Reeß mit einem einfachen „Nein, gab´s tatsächlich nicht“. Er sei ins kalte Wasser gesprungen. Für die Entwicklung weiterer Produkte muss er zurzeit einen Großteil seines Verdienstes mit der Firma Mr. Muff reinvestieren.

Thorsten Reeß hat auch Pläne für die Zukunft. Er habe schon neue Ideen, die es jetzt umzusetzen gilt. Viele Anregungen für weitere Produkte für das Schlagzeug oder auch für andere Instrumente kämen auch von Kunden. Der nächste Schritt, den Reeß anstrebe, sei es, den Muffkopf in die großen deutschen Musikläden zu bringen, ohne sie selbst mit dem Auto dorthin fahren und vorstellen zu müssen. Eines ist jedoch klar: Er will auf jeden Fall weitermachen.


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